Bisher filmte ich mit einer JVC Everio MG 47 E. Das Teil ist an sich recht ordentlich, sehr gute Bildschärfe, wenn es da nicht zwei Dinge gäbe, die mich mittlerweile echt nerven. Der Autofokus ist enorm zickig und der automatische Weißabgleich hat einen Hang zum Blaustich. Dann ist mir ein Angebot mit einem Panasonic SDR S 10 für 250 Galleonen über den Weg gelaufen und ich habe kurzerhand zugeschlagen. Das war 'ne Entscheidung aus dem Bauch raus. Und da wir sowieso kein HD-Sicht- und Wiedergabegerät haben, brauche ich auch keine HD-fähige Kamera. Unser Fernseher ist ein Sharp LCD aus der PAL-Optimal-Serie. Die Dinger haben genau PAL-Auflösung (960 x 540 Pixel, 16:9), weshalb nicht interpoliert werden muß und das Bild dem eines Röhrengerätes gleicht. Vor allem Gesichter sehen sehr natürlich aus, ohne diesen "Wachsfigureneffekt".
Nun ist es einige Tage her, seit die SDR S 10 im Haus ist und ich habe einige Tests gemacht (und auch hier und da Berichte zu dem kleinen Ding gelesen).
Packungsinhalt
Die Packung enthält natürlich die kleine Kamera selbst, eine 2 GB SD-Karte (reicht bei mittlerer Qualität für gute 50 Minuten Film), die Batterie, ein gedrucktes (!) Handbuch (Gratulation an Panasonic, ich hasse PDF-Handbücher auf CD), das Netzteil, welches gleichzeitig das Ladegerät ist, eine Handschlaufe, ein Verbindungskabel Kamera - Fernseher, ein USB-Kabel und eine CD mit einer "Schnittsoftware". Die kann man vergessen und habe ich wieder umweltgerecht von meinem PC entsorgt

Einen Objektivschutz findet man leider nicht, der wurde wohl gespart, weil sich das Objektiv hinter einer Scheibe verbirgt.
Handhabung
Das Gerät liegt gut in der Hand, wobei Leute mir größeren Händen erst mal "probebetatschen" sollten. Die Menüs sind klar und verständlich strukturiert, die Bedienung mit dem Steuerkreuz ist zuerst vielleicht ungewohnt, aber man kommt sehr schnell damit klar. Bei einem so kleinen und billigen Gerät erwartet man nicht, daß sich Fokus, Blende und Verschlußzeit manuell einstellen lassen. Aber das geht mit dem kleinen Ding sogar. Nicht schlecht.
Aufgrund der Größe nimmt man die Kamera überall mit hin, weil man sie einfach in die Jackentasche stecken kann. Und da macht sich der fehlende Objektivdeckel bemerkbar. Man langt sehr oft auf die Objektivscheibe und muß dann die Fingerspuren wieder wegbekommen.
Bildqualität
Die MG 47 E liefert die schärferen Bilder. Man sieht den Unterschied aber nur im direkten Vergleich. Dafür liefert die SDR S 10 aber die natürlicheren Farben. Vor allem bei schlechten Lichtverhältnissen ist die SDR S 10 der MG 47 E (wenn sie in solchen Situationen überhaupt scharfstellt) deutlich überlegen. Es gibt wenig Kameras, die bei sehr schlechten Lichtverhältnissen noch so gute Farben liefern. Das Bildrauschen hält sich dabei relativ gut zurück. Auch der Weißabgleich funktioniert hervorragend und der Autofokus ist der Überflieger. Selbst bei extrem kontrastarmen und dunklen Szenen stellt das kleine Ding sofort scharf und läßt sich nicht beirren.
Das Objektiv ist lichtstark (F1,8 (W) - F2,8 (T)) und vergrößert 10-fach. Die Brennweite beträgt im 16:9-Modus 43 bis 443 mm (KB-äquivalent).
Wenn man die Kamera mit dem mitgelieferten Kabel an den Fernseher anschließt und sich so das Material ansieht, ist man erst mal enttäuscht. Die Bilder wirken sehr unscharf und der Ton ist sehr leise. Der AV-Ausgang der Kamera taugt leider nichts. Wenn man das Rohmaterial direkt und unbearbeitet auf DVD brennt und es sich über den DVD-Player ansieht, sieht die Sache gleich ganz anders aus. Die Bilder wirken sehr natürlich, die Schärfe stimmig, die Farben sind ordentlich, der Ton stimmt (vielleicht einen Tick zu dumpf und selten hört man ein leises Ticken, welches vom Autofokus kommt) und alles paßt zusammen. Na also.
Sonstiges
Das Gehäuse ist aus Kunststoff und das vordere silberne Teil aus Metall. Die Verarbeitung ist sauber, die Klappe am Boden für die Batterie und die SD-Karte ist solide. Die Klappe für die Anschlüsse (AV, USB und Strom) ist fummelig und könnte besser sein.
Die SDR S 10 ist spritzwasserfest (man darf sie z. B. mit nassen Händen bedienen, ohne daß die Kamera beschädigt wird oder Wasser eindringt), sanddicht und darf auch aus einer Höhe von 1,2 Metern runterfallen, ohne daß sie kaputt geht. Also ein sehr robustes Gerät, genau was für mich.
Die Batterielaufzeit ist etwas knapp und die Ladezeit dafür um so ausgedehnter... Gute zwei Stunden Ladezeit für 1000 mAh sind zu lang, zumal nach etwa einer Stunde Filmen die Batterie wieder platt ist. Ein externes Ladegerät wird nicht mitgeliefert. Der Stromanschluß ist ein Standardstecker, sodaß ich die Batterie in der Kamera auch mit meinem Solarladegerät (selbstregelnd, Solarleistung 5,4 Watt) laden oder die Kamera direkt damit betreiben kann, was ich natürlich sehr gut finde. Das Solarladegerät hat zwei auswechselbare Pufferbatterien mit 3,6 Ah Kapazität, womit die Kamera natürlich sehr lange läuft, bei Sonnenschein (auch um diese Jahreszeit) läuft die Kamera auch ohne Pufferbatterien direkt mit Sonnenlicht.
In den Tests wird teilweise die Bildqualität bemängelt, was wohl am schlechten AV-Ausgang liegt. Damit hat sich Panasonic einen Bärendienst erwiesen, da der AV-Ausgang die Kamera deutlich schlechter erscheinen läßt, als sie tatsächlich ist.
Fazit
+ Größe
+ Gewicht
+ Robustheit
+ für eine 250-Euro-Kamera mehr als anständige Bildqualität
+ man nimmt die Kamera immer mit
o hin und wieder leise Störgeräusche vom Autofokus
- Energiehungrig
- lange Ladezeit
- mieserabler AV-Ausgang
Mich hat das kleine Ding überrascht. Im positiven Sinne. Die Kamera ist aufgrund ihrer Größe und des geringen Gewichtes (gute 200 Gramm mit Batterie und Speicherkarte) überall dabei. Beim Skifahren oder sonstigem Sport ist eine kleine und robuste Kamera natürlich ideal. Das Filmen macht mit diesem Winzling Spaß, vor allem zu diesem Preis. Bauchentscheidungen sind doch ganz gut.
Grüße
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